Jeden Augenblick lieben

Viele Jahre spiritueller Suche hatten vor allem das Ziel, dieser Welt zu entkommen. Wenn ich nicht der Körper bin und die Welt nur Illusion – juhu! – dann kann ich beides ja getrost ignorieren und mich in Stille zurückziehen. Rückblickend kann ich sagen, dass dieser Glaubenssatz mich vor allem davon ferngehalten hat, Liebe und Freude zu erfahren. Und ganz besonders hat er genau das aufrechterhalten, was ich in jedem Fall loswerden wollte: die Trennung.

Umso dankbarer bin ich für all die Hinweisschilder auf meinem Weg, welche mich immer wieder eingeladen haben, alles als Ausdruck des Göttlichen zu erkennen. Ob als reines Bewusstsein, schöpferisches ICH-BIN Bewusstsein oder als limitiertes Bewusstsein in Raum und Zeit, das sich als Körper, Objekt und Welt erfährt – alles ist eins. Und ja, auch jede menschliche Erfahrung in jedem Augenblick ist göttlich.

Auf wunderbare Weise hat das Dorothy Hunt zum Ausdruck gebracht:

„Wenn wir uns nicht von unserer wahren Natur oder von der Wahrheit des Augenblicks trennen – was auch immer das sein mag – sind wir in Frieden, selbst wenn der Augenblick nicht friedlich ist. Es ist nicht der Verstand, der lernt, den Moment zu akzeptieren oder mit ihm vertraut zu sein; er weiß nicht, wie!

Vielmehr ist es unsere wahre Natur, unser weites Herz, das immer offen ist, immer in Wahrheit ist und immer mit Mitgefühl den Moment genau so berührt, wie er ist, was unsere Erfahrung transformiert. Diese Transformation geschieht nicht dadurch, dass wir unsere Erfahrung verändern, sondern dadurch, dass wir sie voll und ganz annehmen und sie mit den Augen der Wahrheit und nicht der Illusion sehen.

Was auch immer hier ist, was auch immer auftaucht, kommt auf uns zu, um gesehen zu werden, um geliebt zu werden. Wir mögen Jahre oder Leben damit verbracht haben, das, was hier ist, abzulehnen. Aber wenn wir anfangen, die Wahrheit unserer Erfahrung mehr zu wollen, als dass wir wollen, dass das Leben auf eine bestimmte Art und Weise aussieht, beginnt die Wahrheit sich auf immer tiefere Weise zu offenbaren.“